Immer mehr Frauen zwischen 30 und 50 bauen sich abends ein zweites Standbein auf, ohne ihren Job aufzugeben. Was sie antreibt, ist überraschenderweise selten das Geld.
Es ist kurz nach halb zehn, die Kinder schlafen, die Spülmaschine läuft. In tausenden deutschen Wohnzimmern klappt jetzt ein Laptop auf. Nicht für Netflix. Für etwas, von dem am nächsten Morgen im Büro niemand etwas erfahren wird.
Die Frauen, die das tun, sind zwischen dreißig und fünfzig. Sie sind angestellt, oft in Vollzeit, viele mit Kindern. Sie sind nicht unglücklich. Genau das macht die Sache kompliziert.
Denn was sie umtreibt, lässt sich schlecht erklären, ohne undankbar zu klingen. Der Job ist in Ordnung. Das Gehalt reicht. Und trotzdem steht abends dieser eine Satz im Raum: Da muss doch noch mehr sein.
Isolda Michel hört diesen Satz seit Jahren. Die 38-Jährige aus dem Raum Augsburg begleitet nach eigenen Angaben inzwischen über 900 Frauen dabei, sich neben dem Job etwas Eigenes aufzubauen. Auf der Bewertungsplattform ProvenExpert kommt sie auf 4,9 von 5 Sternen bei 81 verifizierten Bewertungen. Über ihre Geschichte haben im vergangenen Jahr auch internationale Medien berichtet, darunter The Mirror und der National Enquirer.
Auffällig ist, was die Frauen nicht sagen, wenn sie sich bei ihr melden. Kaum eine spricht zuerst über Geld. Zuerst kommt fast immer die Zeit.
„Meine Zeit gehört immer allen anderen. Job, Kinder, Haushalt. Ich komme zuletzt."
Ein Satz, der bei Michel nach eigener Aussage fast wöchentlich fälltDahinter steckt selten Faulheit und fast nie Ahnungslosigkeit. Im Gegenteil. Die meisten dieser Frauen wissen erstaunlich viel. Sie haben Onlinekurse gekauft, Podcasts gehört, Reels gespeichert. Der Ordner mit den Materialien ist voll. Umgesetzt wurde davon wenig bis nichts.
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Michels Erklärung dafür ist unbequem für eine ganze Branche: Ein Kurs gibt dir Aufgaben. Was fehlt, ist jemand, der irgendwann sagt, dass es reicht.
„Dir fehlt kein Wissen. Dir fehlt jemand, der sagt: das ist gut genug, mach es öffentlich."
Isolda Michel, MentorinWer schon einmal etwas Eigenes begonnen und wieder liegengelassen hat, kennt den Moment. Nicht der Anfang scheitert. Es scheitert die Woche, in der ein Kind krank wird, im Büro etwas hochkocht und der Plan sich nicht mehr halten lässt. Wenn in dieser Woche niemand nachfragt, ist das Projekt in der Regel vorbei.
Es gibt einen zweiten Grund, warum viele nicht anfangen, und der wird selten offen ausgesprochen: die Angst, dass Kollegen oder Vorgesetzte davon erfahren.
Die Sorge ist nachvollziehbar. Sie führt aber selten dazu, dass jemand gar nicht anfängt, sondern dazu, dass jemand heimlich anfängt und dabei ständig das Gefühl hat, etwas Verbotenes zu tun. Michel setzt deshalb bewusst darauf, dass man in den ersten Wochen weder Gesicht noch Klarnamen zeigen muss.
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Michel spricht dabei nicht aus der Distanz. 2018 startete sie ihr erstes Online-Geschäft, mit der Geburt ihrer Kinder wurde alles schwieriger. Drei Jobs, zwei kleine Kinder, mitten im Hausbau. Nach mehreren gescheiterten Anläufen fand sie nach eigener Darstellung ein Modell, das in diesen Alltag passte. Nach drei Monaten kündigte sie ihre Jobs, kurz darauf holte sie ihren Mann aus seinen.
Solche Verläufe sind Einzelfälle und ausdrücklich kein Maßstab. Bemerkenswerter als das Tempo ist ohnehin etwas anderes: Michel schickt Interessentinnen regelmäßig wieder weg. Wer aktuell ohne Job ist oder finanziell unter Druck steht, bekommt bei ihr keinen Platz, sondern eine Empfehlung für etwas Kleineres.
„Niemand soll etwas starten, was gerade nicht in sein Leben passt. Das hat nichts mit der Person zu tun, sondern mit Verantwortung."
Isolda MichelWas sich bei den Frauen, die dranbleiben, zuerst ändert, ist selten der Kontostand. Es ist die Woche. Sie wissen morgens, was zu tun ist. Der Abend hat eine Aufgabe statt einer Liste. Und irgendwann fällt der Satz, der bei Michel offenbar der eigentliche Wendepunkt ist: Ich habe es rausgeschickt.
Was danach kommt, ist Wiederholung. Unspektakulär, oft langsam, aber zum ersten Mal in eine Richtung.
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Über die Autorin: Isolda Michel begleitet über ihr Programm The Legacy Code Frauen mit Job und Familie dabei, sich online etwas Eigenes aufzubauen.
Anzeige. Dieser Beitrag ist eine bezahlte Werbeanzeige von The Legacy Code und keine redaktionelle Berichterstattung.